LLL - Lothars lustige Laufgeschichten - Das Glück
Das Glück laufen zu können…
Seit einigen Monaten gelingt es mir, bei den längeren Läufen meine Gedanken schweifen zu lassen oder konzentriert an Problemen zu arbeiten sowie vollkommen neue Ideen zu entwickeln. Mein Sohn hat mir von diesem Phänomen schon mehrfach berichtet. Ich konnte das bisher nicht bei mir beobachten, zu sehr war ich beim Laufen mit der Beobachtung meiner Umwelt und den möglichen Einschränkungen durch Hunde, Radfahrer und andere Teilnehmer auf der Laufstrecke beschäftigt.
Heute auf einmal kommen mir während meines Laufes durch die Fuchsklamm weltanschauliche Gedanken. Dazu muss ich erklären, die Fuchsklamm hoch zu laufen, nötigt mir immer noch Respekt ab. Sie ist für mich als Laufrentner immer wieder eine Herausforderung. Anfänglich, vor einigen Monate, hatte ich regelrecht Angst die Strecke in Angriff zu nehmen. Habe es mir öfters vorgenommen und dann aber doch wieder den einfachen Weg über eine flache Laufstrecke gewählt.
Heute, nach einigen Wochen Fuchsklamm-Abstinenz, wollte ich wissen was geht. Sehr überraschend für mich, war der Anstieg heute völlig problemlos von mir zu bewältigen. Respekt habe ich immer noch, aber die Gedanken, eventuell gehen zu müssen, waren vollkommen verschwunden. Mittlerweile weiß ich auch, gehen zu müssen, ist völlig unproblematisch und keine Schande. Für mich jedoch ein No-Go, so bin ich eben, leider.
Jetzt zu meinem eigentlichen Problem.
Wer lenkt uns, wer oder was bringt uns zu einer solchen Leistungssteigerung? Vor 2 Jahren konnte ich keine 10 m joggen. Inzwischen habe ich Halbmarathon und Marathon erfolgreich gemeistert. Und eben heute die „Fuchsklamm“ bezwungen. Die meisten von euch werden sagen, was will der alte „Sack“, soll er doch froh sein, überhaupt noch laufen zu können.
Wer mich kennt, der weiß, so einfach geht es für mich nicht. Ich versuche immer eine für mich befriedigende Antwort auf meine Fragen zu finden. Manchmal stehe ich mir damit selbst im Weg und bin oft ein nerviger Zeitgenosse.
Was treibt uns an? Wer oder was lenkt uns und warum erreichen wir sportliche Leistungen, die noch vor relativ kurzer Zeit nicht machbar schienen?
Die Biologie vermag, unabhängig vom Alter, scheinbar unglaubliche Anpassungseffekte unseres Herzkreislaufsystems und des Muskelskelettapparates möglich zu machen. Was für ein Glück, durch regelmäßige Bewegung, die eigene Genetik und dem eigenen Willen solch Veränderungen in der eigenen Leistungsfähigkeit und Körperwahrnehmung zu erzeugen. Ich jedenfalls werde die Frage für mich nicht befriedigend beantworten können. Mein Wille lässt mich auf jeden Fall morgen wieder laufen und nächste Woche erneut die Fuchsklamm bezwingen!
