LLL - Der Laufrentner und die Smartwatch
10.000 Schritte pro Tag sollte Mann oder auch Frau täglich zu Fuß gehen, so empfehlen es Ärzte und Sportwissenschaftlicher. Diese Strecke täglich zurückzulegen soll zur allgemeinen Gesunderhaltung beitragen und vor Zivilisationskrankheiten schützen.
Vor 3 Jahren begann ich intensiv diese Empfehlung im Alltag zu befolgen. Ich bin zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf der Laufstrecke anzutreffen gewesen. Hätte das auch damals nicht für möglich gehalten. Es war aber heute rückblickend der Beginn meiner Entwicklung zum Laufrentner.
Doch wieviel Meter sind denn 10.000 Schritte und wie soll ich das denn bitteschön auf meinen täglichen Spaziergängen messen? Es ist doch ein Unterschied ob mein Sohn mit 1,93 cm Körpergröße oder ich mit meinen bescheidenen 1,71 cm diese Anzahl von Schritten zurücklegen. Also musste Technik beschafft werden. Das passte gerade, denn diese Idee kam mir kurz vor meinem 66. Geburtstag. Meiner Jutta war das auch Recht, denn so hatte sie gleich ein sinnvolles Geburtstagsgeschenk für mich entdeckt. Also wurde von ihr unser Sohn Konrad konsultiert und er wählte aus der großen Angebotspalette von Sport- und Fitnessuhren ein Einsteigermodell aus. So wurde ich zu meinem Geburtstag mit einer GARMIN „Vivosmart 4“ Smartwatch beschenkt.
Relativ schnell waren die wenigen persönlichen Daten eingegeben und los gings. Die Feuertaufe überstand meine neue Smartwatch im Wanderurlaub in Pertisau, Tirol. Ab jetzt begann der Drang ständig auf die Uhr zu schauen, um die absolvierten Schritte bzw. die gelaufenen Kilometer zu überprüfen. Sehr schnell verlor ich das Interesse an diesem Gerät, da GPS fehlte und sie lediglich über einen Bewegungssensor die Schritte darstellte. So hat sie auch reagiert, wenn ich meine Jutta umarmt habe, denn das waren ja auch Bewegungen meines Armes, die gemessen wurden.
Wenige Monate später, Ostern 2018, schenkte mir mein Sohn dann eine Garmin Forerunner 235, sicher nicht ohne Hintergedanken. Was aber auch er nicht wissen konnte, bereits 2,5 Jahre später war ich ein ambitionierter Freizeitläufer mit einem Wochen Trainingspensum von 40-50 Km. Mit dieser Smartwatch begann mein regelmäßiges und intensives Lauftraining und im Oktober 2019 absolvierte ich nur ein halbes Jahr später meinen 1. Marathon in Dresden. Für mich heute rückblickend sehr mutig und vielleicht auch etwas leichtsinnig! Doch mit intensiver Vorbereitung und Anleitung durch meinen Sohn Konrad ist alles gut gegangen. Von da an wusste ich, das Laufen wird mich die nächsten Jahre beschäftigen und ein Hauptinhalt meines Rentnerlebens werden.
Die Garmin begleitet mich auch heute noch täglich sehr zuverlässig. Ich habe aber inzwischen ein etwas distanziertes Verhältnis zu ihr. Anfangs habe ich alle paar Meter auf dieses Teil geschaut und habe mein Training nur nach dieser Uhr ausgerichtet. Bei meinen Lauftrainings über 10 km schaue ich derzeit vielleicht 3-4-mal drauf. Mehr aus Routine. Ich habe inzwischen ein sehr gutes Gefühl für das Lauftempo und absolviere diese Strecken fast auf die Sekunden genau gleichmäßig, auch ohne Uhr. Heute nutze ich sie nur zum Tracken und zum Auswerten der Trainingsläufe im Anschluss daran.
Gerne erinnere ich mich heute noch an einen Ausspruch meiner sehr lauferfahrenen Schwiegertochter und Sportwissenschaftlerin, Mandy. Ich durfte am Anfang meines Lauftrainings einmal mit ihr und meinem Sohn laufen. Mein ständiger Blick auf die Smartwatch nervte sie offensichtlich. „Schmeiß doch endlich das Ding weg und lauf so wie du kannst!“ Habe ich damals nicht verstanden. Heute ist mir klar was sie gemeint hat. Laufen verbessert die Körperwahrnehmung. Es gibt keinen besseren Ratgeber als unseren Organismus. Wenn wir es (wieder) lernen bewusst in uns zu horchen und den Signalen unseres Körpers zu folgen, dann werden wir langfristig gesünder, leistungsfähiger und vor allem glücklicher sein.
