LLL - Der Laufrentner und die Lauftechnik
Als ich vor nunmehr zweieinhalb Jahren mit den ersten Versuchen auf der Laufstrecke begann, war ich völlig unwissend in der Theorie und Praxis des Laufsports. Meine Frau und ich haben zwar unseren Sohn, dessen Sportsfreunde und Kunden sehr oft auf diversen Wettkämpfen in Deutschland und Österreich begleitet, angefeuert und auch teilweise mit entsprechender Wettkampfnahrung versorgt, mein läuferischer Beitrag bestand dabei meist im Gehen vom Auto zu den Wettkampfstätten und zurück. Da diese Strecken öfter auch mal einige Kilometer betrugen, war ich mächtig stolz auf mich.
Ich habe mir die psychischen und physischen Anforderungen an einen Ironman Wettkampf oder an einen Marathonlauf nicht im Geringsten vorstellen können. Zugegebenermaßen habe ich mir darüber auch keine besonderen Gedanken gemacht. Bewundert und anerkannt habe ich diese für mich damals als „unmenschlich“ eingeschätzten sportlichen und mentalen Leistungen aber schon. Was hätte ich dafür gegeben, selbst ein Aktiver zu sein. Ich wollte auch zu dieser Gruppe von bewunderten und umjubelten Sportlern gehören. Ein unerfüllter Traum sollte das für mich lange Jahre bleiben.
Als ich selbst mit dem Laufsport anfing und Konrad mit mir die ersten Meter trabte, begann mein Interesse an der Theorie und Praxis dieses schönen Sports. Mein Kindle ist inzwischen zu 90 Prozent mit den Standardwerken des Laufsports gefüllt. Wenn ich mich mit meinem Sohn dazu hin und wieder austausche, ernte ich oft nur ein müdes, nicht böse gemeintes Lächeln. Er ist zu lange im Geschäft, kennt nahezu alle bedeutenden Wissenschaftler und Autoren dieser Sportart, oftmals auch persönlich. Seit gut zwanzig Jahren studiert, lehrt, forscht und praktiziert Konrad die Themengebiete der Sportwissenschaft. Dabei hat er schon viele selbsternannte Experten, Trends und Mythen kommen und gehen sehen.
Ich habe mir durch das Studium dieser speziellen Literatur viel theoretisches Wissen angeeignet. An dieser Stelle kommt mein aber. Schon die griechischen Philosophen haben die Praxis als Kriterium der Wahrheit erkannt. Ich will damit sagen, was nützt mir alle Theorie, wenn ich nicht den richtigen Laufstil und keinen passenden Plan für das Lauftraining habe. Verletzungen entwickeln sich, die Leistungen stagnieren und mit der Zeit verliert man möglicherweise die Freude am Laufen.
Mit Spannung und Vorfreude habe ich deshalb eine von KS-Sportsworld und Personal Yoga Gera gemeinsam angebotene Veranstaltung zum Laufen und Yoga im September erwartet. Über meine Erfahrungen mit dem Yoga-Kurs habe ich an anderer Stelle schon geschrieben (Beitrag vom 01.10.2020).
Im vorliegenden Text möchte ich von meinen Eindrücken zum angeleiteten Laufkurs berichten.
Aufgeteilt in zwei Gruppen wurden theoretische und praktische Inhalte zur Lauftechnik vermittelt. Sehr wertvoll waren für mich die Übungen im Rahmen des sogenannten Lauf-ABC. Diese grundlegenden „Anfänger“ Übungen, die im Lauf- oder Triathlonverein bereits von den Jüngsten regelmäßig praktiziert werden, haben mir sehr geholfen den eigenen Laufstil zu optimieren.
Besonders die Armarbeit, bekannt unter dem Stichwort Läuferdreieck, wurde u.a. erklärt und beübt. Die Auswirkungen sind beachtlich. Normalerweise müsste dieser Zusammenhang mit minimalen Kenntnissen aus dem Physikunterricht bzw. dem Studium bekannt sein. Bei mir ist das aber schon so viele Jahre her, deshalb war ich für diese Auffrischung elementarer Gesetzmäßigkeiten sehr dankbar.
Bei meinen anschließenden Läufen habe ich versucht das Gelernte anzuwenden. Zu meiner Begeisterung brachte es für mich eine spürbare Verbesserung meiner Laufgeschwindigkeit mit sich. Wie immer bei allen Dingen des Lebens heißt es jetzt dranbleiben und üben, üben, üben. Sollte diese Veranstaltung erneut stattfinden, so bin ich gern wieder dabei. Wer weiß was ich dadurch noch so alles lernen kann…
