LLL - Der Laufrentner und der Herbstblues
Es wird am Morgen später hell, Nieselregen, feuchte Kälte kriecht durch alle Ritzen und eine Stimmung entsteht als würde heute die Welt untergehen. Am liebsten im warmen Bett liegen bleiben und mit einem lieben Menschen kuscheln. Kennt ihr dieses Gefühl? Ich könnte das jetzt tun, bin ja Laufrentner!
Die Blätter werden bunt und fallen zu Boden, Kastanien erfreuen die Kinder, es riecht nach Herbst. Während die Mehrheit der Menschen die schöne Herbstzeit für ausgedehnte Spaziergänge in der wunderschön gefärbten Natur nutzt, gibt es immerhin eine nicht unerhebliche Anzahl an Deutschen, die unter dem sogenannten Herbstblues leiden. Laut einer Forsa Umfrage sollen ca. 24 Prozent der Männer und etwa 36 Prozent der Frauen Symptome in der dunklen Jahreszeit entwickeln, die allgemein als Herbstblues bezeichnet werden. Auch ich gehörte viele Jahre dazu. Fühlte mich morgens müde, obwohl ich ausreichend geschlafen hatte. Alle Knochen schmerzten. Mein Antrieb etwas leisten zu wollen sank auf den Nullpunkt. Fehlende Motivation und Lustlosigkeit charakterisierten meinen Tagesablauf. Über allem lag bleierne Traurigkeit und Pessimismus. Der „innere Schweinehund“ schien unüberwindbar. Alles keine guten Voraussetzungen, um im Job andere Menschen anzuleiten und zu motivieren. Ich habe darunter jedes Jahr gelitten und den Herbst, obwohl das eine sehr schöne Jahreszeit ist, verflucht.
An das Jahr 2001, den 11. September, erinnere ich mich noch heute genau. An diesem Tag hat der feige und unmenschliche Terroranschlag auf die wichtigsten zivilen und militärischen Gebäude der USA stattgefunden.
Mehrere Wochen war ich wie gelähmt und bin in eine leichte Depression geraten. Dieses Ereignis hat meinen jährlich wiederkehrenden Herbstblues potenziert. Davon sollte natürlich meine Umgebung nichts merken, eine schwierige Zeit.
Nachdem ich dann vor vier Jahren in den Ruhestand getreten bin, habe ich versucht diese schwierige Jahreszeit durch aktives Handeln zu überbrücken, ohne unter den genannten Symptomen zu leiden.
Es begann mit langen und immer länger werdenden zügigen Spaziergängen in der Natur, an der frischen Luft und in der Herbstsonne. Mit dem Beginn meiner sportlichen Betätigung als Laufrentner und dem damit verbundenen regelmäßigen Lauftraining wurden die Phasen meiner depressiven Verstimmung immer weniger.
Der Laufsport vermittelt mir Lebensfreude und Lebenslust. Er gibt mir das gute Gefühl mich selbst immer wieder zu besiegen.
Damit keine falschen Vorstellungen bei euch entstehen, auch ich muss mich in diesen Tagen hin und wieder überwinden die Laufschuhe anzuziehen und auf die Laufstrecke zu gehen. Nach dem Lauf fühle ich mich jedoch jedes Mal glücklich und zufrieden.
Eine weitere Verbesserung meiner Situation spüre ich durch die wöchentliche Teilnahme am Yogakurs mit Falk. Hier kann ich regelmäßig bei angeleiteter Dehnung, Mobilisation und Entspannung zu mir selbst finden.
Es gibt noch eine Reihe weiterer persönlicher Veränderungen, die zur Überwindung meiner depressiven Episoden, meinem Herbstblues geführt haben. Doch davon berichte ich ein anderes Mal.
Jetzt aber ziehe ich mir die Laufschuhe an und gehe auf die Laufstrecke, es regnet zwar gerade, aber ich bin ja nicht aus Zucker!
