Skip to main content

LLL - Höflichkeit und Freundlichkeit beim Laufen, oder so viel Zeit muss sein!

Als wir Anfang der 90-iger Jahre das erste Mal in den USA im Urlaub waren, hatten wir ein für uns merkwürdiges Erlebnis. Mitten in der Millionenstadt Los Angeles grüßte uns sehr freundlich ein uns völlig unbekannter Amerikaner und wünschte uns einen schönen Tag. Völlig verdutzt bedankten wir uns. Was war passiert? Offensichtlich hatte er uns beim Überqueren einer recht breiten Straße beobachtet und uns als Ausländer erkannt. Was wir damals nicht wussten, ein Amerikaner würde niemals eine solch breite Straße an dieser Stelle überqueren. Überhaupt laufen die US-Bürger durchschnittlich recht wenig, sondern fahren lieber mit dem Auto. Für uns war dieses banale Erlebnis der Beginn einer neuen Gruß- bzw. Begrüßungskultur.

Wir waren bis zu diesem Zeitpunkt gewohnt nur Menschen zu grüßen, die man näher kennt. Selbst in dem kleinen Ort, in dem wir zu Hause waren, grüßten wir nur persönliche Bekannte. In den nächsten Jahren mit zunehmender Reisetätigkeit haben wir das freundliche Grüßen unbekannter Menschen in Parks oder auf Wanderstrecken regelmäßig beobachtet und dann auch selbst praktiziert. Vor allem bei unseren vielfachen Besuchen in Österreich und in der Schweiz ist diese Gepflogenheit uns immer wieder sehr angenehm aufgefallen. Zurück in unserer Heimat wurden wir des Öfteren beim Grüßen erstaunt angeschaut. Auch wurde unsere Freundlichkeit des Öfteren nicht erwidert. Im Laufe der Jahre hat sich dieser freundliche Brauch auch hier in Thüringen beim Wandern und Spazieren durchgesetzt. Eine Entwicklung, die für junge Leute heute weitgehend selbstverständlich ist. Wir haben diese Grußkultur erst lernen müssen. In meiner Jugend wurde uns anerzogen ältere Menschen grundsätzlich zuerst zu grüßen. Also wartete man bis der vermeintlich Jüngere das Prozedere begann. Oftmals wartete man dann vergebens auf den Gruß. Wie schade. Diese kleine freundliche Geste, die keinem weh tut, sollte nicht vom Alter abhängig sein.

Wie verhält es sich nun unter Läufern und Sportlern? Beim Motorradfahren grüßt Mann und natürlich auch Frau mit einer lässigen Handbewegung. Aber selbstverständlich nur innerhalb einer „Klasse“. Es würde nie einem Fahrer einer schweren Maschine einfallen einen Moped-Fahrer zu grüßen.

Gibt es einen solchen Standesdünkel auch unter Läufern?

Bei meinen täglichen Läufen habe ich des Öfteren bewusst darauf geachtet. Mir ist aufgefallen, dass der überwiegende Teil der Aktiven sich auch sehr freundlich, meistens mit einem freundlichen und knappen „Hallo“ oder eben auch nur mit einer kurzen Handbewegung, begegnet. Hin und wieder, sehr selten, erlebe ich Unfreundlichkeit oder Ignoranz. Dabei fällt es mir auf, dass dies öfter junge Läuferinnen und natürlich auch Läufer betrifft. Sie sind hochmodern mit Marken-Sportbekleidung und Kopfhörern unterwegs und schauen teilweise aus als ob sie einen Schönheitswettbewerb gewinnen wollten. Frei nach dem Motto: „sehen und gesehen werden“. Ich vermute, dass sie nur wenige Kilometer absolvieren. Aber vielleicht täusche ich mich hier auch und sie sind einfach so in ihre sportliche Tätigkeit versunken. Es kann natürlich auch an mir und meinem Alter liegen. Entmutigen lasse ich mich dadurch jedoch nicht und versuche es immer wieder mit dieser kleinen Geste der Freundlichkeit.

Ich jedenfalls grüße so lange ich laufe grundsätzlich jeden Läufer/in der mir begegnet. Da ich meistens Park oder Waldwege benutze, begrüße ich auch andere Personen, die ich passiere.

Diese Verhaltensweise halte ich inzwischen für eine grundlegende Form der Höflichkeit. Meistens treffe ich auf strahlende, freundliche Gesichter und Erwiderung der Grüße.