Der Highway von Gera
Eigentlich habe ich mir vorgenommen lustige und kuriose Laufgeschichten zu schreiben. Jedoch nicht immer gelingt mir das. Dieser Beitrag handelt von meinen Beobachtungen und Erlebnissen im Zusammenhang mit der Sicherheit auf meinen fast täglichen Laufrunden.
In meinem Post „Die Laufstrecken Riechen, ein sinnliches Vergnügen“ habe ich ja beispielhaft eine komplette typische Trainingsrunde von mir beschrieben. Wer diese Geschichte gelesen hat und zu den „Gerschen“ Ortskundigen gehört, dem wird aufgefallen sein, dass meine Strecke nur teilweise durch den Hofwiesenpark führt. Das Parkgelände ist ideal für Spaziergänger, Jogger, Radfahrer und Familien mit Kindern. Die Wege sind relativ breit, mehrheitlich geteert und die Anlage macht insgesamt einen sehr gepflegten Eindruck. Es ist zu jeder Jahreszeit ein besonderes Erlebnis. Jetzt im Herbst lädt das Gelände mit den vielen bunt gefärbten Bäumen und Sträuchern besonders zum Besuchen und Verweilen ein. Eine große Freude haben die Kinder aktuell, links und rechts des Weges, beim Kastanien sammeln. Man kann oft nicht unterscheiden, wer dabei mehr Spaß hat, die Eltern oder die Kinder. Auch viele Großeltern werden hier noch einmal zu Kindern. An dieser Stelle beginnt das Problem, auf das ich in diesem Beitrag aufmerksam machen möchte.
Letze Woche habe ich folgendes beobachten müssen: zwei ältere Damen, jeweils auf einem Fahrrad verabschieden sich. Jede fährt in eine andere Richtung. Die eine kreuzt den Fußweg unaufmerksam und fährt trotz lauter Warnrufe in einen anderen, ebenfalls schon älteren Radfahrer. Nach beiderseitigen Vorwürfen der andere habe die Schuld, fuhren beide, zum Glück ohne sichtbare Verletzungen, weiter.
Des Öfteren fallen mir Rad fahrende Seniorengruppen auf, die in größerer Anzahl, manchmal bis zu zehn Teilnehmern und mehr, durch den Park radeln. Bei einigen der betagten Mitbürger/innen habe ich den Eindruck, sie steigen auf das Rad, weil sie nicht mehr laufen können. Das Radfahren beherrschen sie aus naheliegenden Gründen auch nicht oder nicht mehr so gut. Ein Teil davon hat auch scheinbar keinen Führerschein für den PKW. Zumindest benehmen sie sich so.
Man möge mir diese Beobachtung verzeihen, ich bin ja selbst Laufrentner! Obwohl ich schon Lust hätte auch mit dem Radsport anzufangen, nehme ich die Ratschläge von meinem Sohn an, es nicht zu tun. Die altersbedingten Einschränkungen lassen ein verantwortungsvolles Beherrschen der Anforderungen an die heutigen Verkehrsbedingungen nicht mehr zu.
Es sind natürlich wie immer nicht nur die älteren Mitbürger unserer Stadt, die sich leichtsinnig und teilweise rücksichtslos benehmen.
Auf demselben Parkweg bewegen sich, nein, rasen Radsportler mit Profiequipment, tief über den Lenker gebeugt. Verbissen fahren sie von einem Ende der Stadt zum anderen. Man hat dabei den Eindruck, sie wollen jedes Mal ihre Fahrzeit optimieren und sich auf ein Radrennen vorbereiten. Da werden halsbrecherische Manöver trotz Gegenverkehr durch entgegenkommende Radfahrer und Fußgänger gefahren. Es wird gedrängelt, geschimpft, teilweise gedroht und beleidigt, was das Zeug hält. Die Fußgänger werden vom Weg auf die Rasenflächen gedrängt.
Jetzt kommen dann noch die Hundehalter hinzu. Lange Leine quer über den ganzen Weg mit Tieren wie Spielzeuge. Neulich habe ich eine junge Frau getroffen mit einem Tier an einer Leine. Ich war mir nicht klar, was das ist, sie erklärte mir dann stolz, das ist ein Frettchen.
Ob das auch Tierliebe ist und man dem winzigen Tier damit etwas Gutes und Artgerechtes antut?
Zu guter Letzt kommen dann noch die Jogger auf die Piste, zu denen ich ja auch gehöre.
Nicht selten, zu besonders frequentierten Zeiten, finden alle die oben aufgezählten „Parkliebhaber“ auf denselben Wegen zusammen.
Was ist mit den spielenden Kindern oder Menschen, die einfach nur unfall- und stressfrei den Hofwiesenpark genießen wollen? Was ist mit den körperlich schwachen oder eingeschränkten Menschen, die einfach nur spazieren gehen oder sich erholen möchten?
Es lohnt sich jedenfalls einen Moment inne zu halten und darüber intensiv nachzudenken.
Sollte nicht, Paragraf 1 der STVO:
„(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. (2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“ unser Handeln im öffentlichen Raum ständig, auch und insbesondere in Parkanlagen bestimmen?
Wisst ihr jetzt, warum ich bestimmte Abschnitte des Hofwiesenparks meide?
Ihr glaubt, ich übertreibe? Dann beobachtet doch selbst einmal bewusst das Verhalten auf eurer Laufstrecke oder kommt einmal nach Gera und schaut selbst. Natürlich nicht bei dem Regenwetter dieser Tage. Da bin ich überwiegend allein auf der Laufstrecke im Hofwiesenpark anzutreffen.
